Fußball in den USA: Fussballkultur 90 Minuten ein Leben lang

28. 12. 2021 | Autor: | Keine Kommentare

Fußball ist mit Abstand die beliebteste Sportart der Welt. Das Champions-League-Finale ist das meistgesehene jährliche Sportereignis und die FIFA-Weltmeisterschaft zieht Milliarden von Zuschauern an. Doch obwohl die USA mit dem wohl begehrtesten Sportmarkt aufwarten, hat sich Fußball erst vor Kurzem in der Nation durchgesetzt. Jetzt wächst seine Popularität jedoch mit jeder verstreichenden MLS-Saison, wobei die neuesten Zuschauerzahlen darauf hindeuten, dass Amerika endlich in das spannende Spiel einsteigt.

Der Aufstieg von Fußball in Amerika

In Umfragen unter US-Sportfans ist Fußball in den USA mittlerweile beliebter als Eishockey. Eine Studie des Forschungsunternehmens Ampere Analysis zeigte vor Kurzem, dass 49 % der US-Sportfans angaben, Fußball im Fernsehen zu sehen, im Gegensatz zu Eishockey mit 37 %. Darüber hinaus ist der Anteil der US-Fans, die sagen, dass sie vor allem die englische Premier League gerne sehen, zwischen 2019 und 2021 von 12 auf 15 % gestiegen. Die Zahlungsbereitschaft für die Premier League ist von 6 auf 9 % gestiegen. Das bedeutet ebenso, dass Online Sportwetten immer beliebter werden und die Fans gerne auf ihre Lieblingsmannschaften setzen und mitfiebern.

Mehrere Gründe für so eine Beliebtheit

Es gibt eine Reihe von Gründen, wie zum Beispiel:

  • Die Teilnahme am Fußball hat in den Staaten zugenommen und junge Fans wachsen jetzt mit dem Sport auf. Laut der US Sports and Industry Fitness Association spielten im vergangenen Jahr 17,8 Millionen Amerikaner drinnen oder draußen Fußball, verglichen mit 2,3 Millionen, die Eishockey spielten.
  • Seit Tim Howard bei der WM 2014 in Brasilien zum Volkshelden wurde (die USA schafften es ins Achtelfinale, wo Howard mit 15 einen Rekord für Paraden in einem einzigen WM-Spiel aufstellte. Die USA verloren gegen Belgien 2:1). Die US-Nationalmannschaft ist somit noch beliebter geworden.
  • Inzwischen hat die US-Frauennationalmannschaft eine ganze Generation junger Spielerinnen inspiriert: Sowohl Mädchen als auch Jungen.
  • Eine Reihe talentierter amerikanischer Spieler hat in einigen der Top-Ligen Europas gespielt und bewiesen, dass sie auf höchstem Niveau spielen können. Diese Liste enthält ehemalige Spieler wie Brian McBride, Clint Dempsey und Brad Friedel. Derzeit ist Christian Pulisic aus keinem Geringeren als Hershey, Pennsylvania, ein Stammgast in Chelseas Aufstellung.
  • Eine jüngere Fangemeinde garantiert, dass der Sport weiter an Popularität gewinnt. Fast eine Million Kinder spielen jetzt Fußball in der High School.

Weitere Fakten über den US-Fußball

Nicht nur das, was die Leute in Umfragen sagen, zeigt, dass der Fußball in den USA an Popularität gewinnt. Sender zahlen heute mehr Geld, um Fußball anstatt von Hockey zu zeigen.

Die NHL hat in diesem Jahr neue Verträge mit Turner und Disney ausgehandelt und den Wert ihrer Medienrechte von 300 Millionen US-Dollar auf 600 Millionen US-Dollar pro Saison erhöht. Aber zusammengenommen übertrifft der Wert der Fußball-Medienrechte in den USA den des Hockeys. Die Fußballrechte in dieser Saison haben einen Gesamtwert von 700 Millionen US-Dollar, aber dieser wird deutlich steigen, sobald ein neuer Deal für die Premier League und die MLS nach diesem Jahr in Kraft tritt.

Ab der nächsten Saison wird der Gesamtwert der Medienrechte für den Klubfußball in den USA, einschließlich der MLS-, Premier League-, Serie A-, LaLiga-, Bundesliga- und UEFA-Wettbewerbe höchstwahrscheinlich mehr als 1 Milliarde US-Dollar betragen.

Durchschnittliche Zuschauer der Premier League Fußball in den USA

Darke und McManaman halfen ESPN2 dabei, die Zuschauerzahl für Live-Spiele in den Jahren 2009-10 auf durchschnittlich 262.000 zu verdreifachen. NBC nahm den Staffelstab in die Hand und verdoppelte diese Zahl für seine Kabelübertragung bis 2015 auf 514.000.

Seitdem ist die Zuschauerzahl im Kabel zurückgegangen, da NBC die Fans zu digitalen Kanälen gedrängt hat und der Sender behauptet, dass in der letzten Saison die „Gesamtzuschauerzahl“ auf allen Plattformen für Live-Spiele 879.000 betrug.

Es überrascht nicht, dass Englands größte Vereine die Hauptattraktion sind, aber selbst unter ihnen hebt sich Manchester United ab. Die Red Devils haben in sechs der letzten acht Spielzeiten das beliebteste Spiel bestritten.

Das beliebteste Spiel aller Zeiten

Das beliebteste Spiel aller Zeiten im US-Fernsehen war Manchester United im März 2020, als 1,76 Millionen Menschen zusahen, wie sie Manchester City mit 2:0 besiegten. Das Fußballpublikum wird als attraktiv bewertet, weil es immer noch wächst und die Fans jünger sind als bei anderen Sportarten, kaufkräftiger und bereit scheinen, in die digitale Welt zu wechseln.

Der Wechsel zu „Digital“ erklärt auch, warum NBC so viel Geld für die Premier League zahlt. Es gibt sogar fünf Firmen, die in einem Streaming-Krieg gegeneinander kämpfen. Die Leute haben sogar ihr Kabelabonnement gekündigt. „Cord Cutting“ ist ein Phänomen in den USA. Die Leute rennen vor Kabelabonnements davon, um einen Streaming-Dienst zu nutzen und das ist Europa nicht so einfach wie in den USA.

09. 11. 2017 | Autor: | Keine Kommentare

Beispielgebend für die Theorie der kontinuierlichen Spielflussdynamik im Fußball ist die Sportmetapher eines „hervorragenden 0:0“. Ein torloses/Punktloses Spiel kann nur als ansehnlich gewertet werden, wenn die Spannungskurve permanent verfolgt und Aufrechterhalten werden kann.

Dies bedeutet nicht zwangsweise, dass die 90 Minuten vor den Fernseher verbracht werden müssen (oder am Spielfeldrand), jedoch „Schlüsselzeiten“ von Nöten sind, um die Spannung zu verstehen, sie zu „greifen“.

Darüber hinaus ist das Unentschieden prinzipiell für amerikanische Sportfans gewissermaßen ein „rotes Tuch“. Sie können in der Beendigung eines Spiels ohne Gewinner wenig befriedigendes erkennen, und das Elfmeterschießen als letzte Instanz, um ein Unentschieden bei wichtigen Turnieren aufzulösen halten sie für ebenso fair, als würde man das Spiel durch einen Münzwurf entscheiden (vgl. Markovits/Hellermann 2002: 332).

Weitere Divergenzen ergeben sich aus einem heterogenen Spielaufbau beider Sportarten. Beim American Football existiert eine klare Trennung von Angriff (offensive) und Verteidigung (defensive). Anders als beim Fußball ist beim American Football immer klar, wer im Angriff ist und wer in der Verteidigung.

Die verdichtete Aktion kulminiert ebenso in der strikten Trennung von Spielzügen/Abläufen, wie auch beim Angriffs- oder Verteidigungsspiel, währenddessen im Fußball ein kontinuierliches Wechselspiel aus sich angreifenden Angriffs- und Verteidigungsabläufen unabdingbar ist und die permanente Aufmerksamkeit der Zuschauer in Anspruch nimmt (vgl. Gumbrecht 2002: 45).

„So gesehen, liegt die Faszination des American Football mehr auf ontologischer Ebene (Sein/Nicht-Sein), während der Fußball stärker eine existentialistische Faszination (beständig, wechselnder Situationen ausgesetzt sein) produziert.“ (ebd.: 47)

Die Frage, ob Nordamerikaner eher „ontologisch“ als „existentialistisch“ in ihrer Ästhetik eingestellt sind, wäre „allzu hermeneutisch“, doch Fakt ist, dass die dem Fußball typische Dynamik und Kontinuität im American Football nicht präsent ist. Die Zerlegung in Teilereignisse ist paradigmatisch für den American Football, genau wie die Erwartung, dass jeder parzellierte Spielzug das Erreichen oder Nicht-Erreichen eines klar definierten Teilziels zur Folge hat (vgl. Adelmann/Stauff 2002: 57).

Die „sinnliche Wahrnehmung“ beim Fußball ist geprägt durch seine spezielle Spieldynamik, die beim Zuschauer eine ungeteilte Aufmerksamkeit voraussetzt. Eine Frage die sich stellt ist, warum der Zuschauer diese Aufmerksamkeit annimmt? Gewissermaßen 90 bis 120 Minuten volle Konzentration aufbringt, um ein „Spiel“ zu verfolgen? Das Beispiel der amerikanischen Bevölkerung zeigt, dass dies nicht selbstverständlich ist, denn diese können mit dem Seherlebnis, was der Fußball bietet noch immer nicht viel anfangen und haben sich im Gegensatz dazu auf das quasi Gegemodel, dem American Football, „eingesehen“.

Teil 1: Ein Erklärungsversuch der sinnlichen Wahrnehmung des Fussballs

Literatur:

Adelmann, Ralf/Stauff, Markus (2002): Sportspiel und Fernsehspiel. Ein medien-wissenschaftlicher Kommentar. In: Schwier, Jürgen (Hrsg.) (2002): Mediensport – Ein einführendes Handbuch. Hohengehren: Schneider Verlag: S. 51-73.

Gumbrecht, Hans Ulrich (2002): Ästhetik und Sport – am Beispiel von Fußball und American Football. In: Martínez, Matías (Hg.) (2002): Warum Fußball? Kulturwissenschaftliche Beschreibungen eines Sports. Bielefeld: Aisthesis Verlag: S. 37-51.

Markovits, Andrei S./Hellerman, Steven L. (2002): Im Abseits – Fußball in der amerikanischen Sportkultur. Hamburg: Hamburger Edition.

Villoro, Juan (2002): El Balón y La Cabeza. In: Letras Libres, Ano IV, Nr. 41. México D.F.: Editorial Vuelta: S. 12-16.

08. 11. 2017 | Autor: | 7 Kommentare

Sportkultur in den USA: Ästhetik im Fußball

Fußballkultur – 90 Minuten, Ein Leben lang, und manchmal sogar noch länger, ist für viele Menschen auf der Welt gelebte Realität. Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass Fussball eine der beliebtesten Sportarten der Welt ist. Warum das so ist, wurde vielfach untersucht, analysiert und interpretiert.

Viele interessante Theorien sind dabei herausgekommen und werden auf diesem Blog auch noch des öfteren Erwähnung finden.

Doch bevor wir damit anfangen, uns anzuschauen, wie sich der Fußball historisch entwickelt hat, was er für ökonomische Implikationen mit sich trägt, wie er heutzutage als Massenphänomen (Fussball als Massenphänomen) in Erscheinung tritt, schauen wir uns den, meiner Meinung nach, elementarsten Punkt im und am Fußball an: Seine Ästhetik!

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23. 10. 2011 | Autor: | Keine Kommentare


Für Bundesliga Profis ist es ein sehr lukrativer Weg, zum Karriere Ende noch mal 1 oder 2 Jahre in den USA ran zuhängen. Bereits in den 70er Jahren wurden alternde Stars wie Pele und Franz Beckenbauer nach Amerika geholt. Sie wurden für viel Geld geholt, bekamen ein enorm hohes Geld und sollten die US-amerikanische Fußball Profiliga aufwerten.

Heutzutage gehen Spieler wie Thorsten Frings oder der ehemalige Hamburger Torwart Rost nach Amerika, um am Ende Ihrer Karriere noch ein wenig Fußball zu spielen. Natürlich schwingt mit, dass wenn man in Europa nicht mehr gewollt wird, ist immer noch gut genug für Amerika. Ich glaube  das stimmt, ist aber nicht schlimm, da es für beide Seiten ein lukratives Geschäft ist.

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02. 04. 2010 | Autor: | Keine Kommentare
World Cup USA94 - Fussball in den USA

World Cup USA94 - Fussball in den USA

Fussballkultur in den USA Trotzdem sich der Fußball im Vergleich zu den großen amerikanischen Sportarten und im Vergleich zum Rest der Welt scheinbar zu einer Randsportart im US amerikanischen Fernsehen entwickelt hat, ist dennoch eine sehr spezifische Fußballkultur in den USA entstanden, die auf eine lange Geschichte in der amerikanischen Sportgesellschaft zurück blicken kann.

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08. 02. 2010 | Autor: | 1 Kommentar

Soccer in den USA - Nike VaporIn den Artikeln Fußball als ökonomischer Fehlstart in den USA und Soccer – keine „Fernsehsportart“ in den USA: Ursachen, Konsequenzen und Möglichkeiten wurden Theorien erörtert, warum Fussball in den USA zumindest keinen Erolg im Fernsehen hat und somit den amerikanischen „sport space“ nicht durchdringt. In der folgenden Untersuchung habe ich eine Live Übertragung eines normalen American Football Games verglichen mit einer Soccer Übertragung. Im Übrigen war es schon mehr als schwierig überhaupt eine Soccer Übertragung zu bekommen. Das ist in etwa so, als wenn man eine 2.Liga Spiel der Österreichischen Liga sehen möchte.

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22. 01. 2010 | Autor: | 2 Kommentare
Fußball in den USA

Fußball in den USA

Der amerikanische Sonderweg im Fußball präsentiert sich sehr eingehend in dem Antagonismus einer intakten Fußball-Freizeitkultur und einer mangelnden professionellen Fußballkultur. Der Fußball wurde (noch) nicht in die „Sportfamilie“ (hegemoniale Sportkultur/sport space) aufgenommen, hat es aber dennoch geschafft, sich zu einer der beliebtesten (Freizeit)- Sportarten zu entwickeln. Interessanter Weise steht Fußball heute in den USA für Emanzipation und gesunde Lebensweise, für Kultur und Internationalität und damit für die kulturellen Werte, wofür die Großen Dreieinhalb nicht stehen.

Profi-Fussball in den USA

Es gibt einen professionellen Fußballsport in den USA, dieser ist aber vor allem im Fernsehen, im Vergleich zu den Großen Dreieinhalb und insbesondere zum American Football, unterpräsent. Problematisch erweist sich dieser Faktor bei der Etablierung des Soccers als fünfte Major- Sportart, denn vor allem die Anhänger und die Beobachter bilden die hegemoniale Sportkultur eines Landes, nicht im prägendem Maße die Teilnehmer (vgl. Markovits/Rensmann 2007: 53f.).

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